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Ratgeber · 6 min Lesezeit

Nebenkostenabrechnung in Stuttgart — Kehrwoche, Kessellage und AWS.

Stuttgart rechnet mit eigener Tradition: Wo die Kehrwoche gilt, taucht die Gebäudereinigung gar nicht erst in der Abrechnung auf. Dazu kommen AWS-Gebühren, Stadtentwässerung und die Eigenheiten der Halbhöhenlagen.

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Wer in Stuttgart die Betriebskosten stellt

Die AWS (Abfallwirtschaft Stuttgart) erhebt die Abfallgebühren per Bescheid, die Stadtentwässerung Stuttgart berechnet Schmutz- und Niederschlagswasser, und beim Trinkwasser und der Fernwärme entlang des Neckartals ist die EnBW-Gruppe der prägende Versorger. Grundsteuer und gegebenenfalls Straßenreinigung kommen von der Stadt — die aktuellen Sätze prüfst du im Stadtportal stuttgart.de.

Baden-Württemberg berechnet die Grundsteuer nach der Reform übrigens mit einem eigenen Modell auf Basis des Bodenwerts — an der Umlagefähigkeit nach §2 Nr. 1 BetrKV ändert das nichts, nur der Bescheid sieht anders aus als im Bundesmodell.

Besonderheit 1: Die Kehrwoche ersetzt die Reinigungsposition

Stuttgarts berühmteste Abrechnungs-Besonderheit steht in vielen Mietverträgen: die Kehrwoche. Übernehmen die Mieter Treppenhausreinigung und Gehwegdienst selbst, dürfen diese Posten nicht zusätzlich in der Nebenkostenabrechnung auftauchen — es gibt schlicht keine Kosten. Beauftragst du stattdessen eine Reinigungsfirma oder einen Winterdienst, geht das nur, wenn der Mietvertrag die Kostenumlage vorsieht; eine einseitige Umstellung von Kehrwoche auf bezahlten Dienst mitten im Mietverhältnis ist heikel und braucht in der Regel die Zustimmung der Mieter.

Prüfe also vor jeder Abrechnung: Was regelt der Vertrag — Kehrwoche, Dienstleister oder Mischform? Danach richtet sich, welche Positionen überhaupt existieren dürfen.

Besonderheit 2: Hang- und Halbhöhenlagen

Stuttgarts Kessellage bringt Themen mit, die im Flachland selten sind: Stützmauern, lange Außentreppen, Hanggärten. Die laufende Pflege von Außenanlagen und Wegen ist nach §2 Nr. 10 BetrKV umlagefähig — die Sanierung einer Stützmauer dagegen ist Instandhaltung und bleibt beim Eigentümer. Beim Winterdienst gilt: Gerade an Steillagen ist die Verkehrssicherungspflicht streng; ein beauftragter Winterdienst ist umlagefähig, wenn vertraglich vereinbart.

Heizung: Fernwärme im Talkessel und die HKVO

Entlang des Neckartals und in dicht bebauten Innenstadtlagen ist Stuttgart an Fernwärme angeschlossen, daneben prägen Gaszentralheizungen den Bestand. In beiden Fällen gilt die HKVO: 50 bis 70 Prozent der Wärmekosten nach erfasstem Verbrauch, der Rest nach Fläche, seit 2023 ergänzt um die CO₂-Kostenaufteilung nach dem Stufenmodell. Fernablesbare Zähler sind Pflicht — ältere Verdunster in Stuttgarter Beständen müssen bis Ende 2026 getauscht sein.

Praxis: Belege und Zeiträume

AWS-Bescheid, Entwässerungsgebühren und Versorgerrechnungen decken selten exakt dein Abrechnungsjahr — grenze taggenau ab und dokumentiere Ablesedaten. Alle Bescheide gehören in die Belegablage: Bei der Belegeinsicht nach §259 BGB muss jeder Posten einem Original zuzuordnen sein. Und prüfe vor jeder Abrechnung den Mietvertrag auf die Kehrwoche-Frage — sie entscheidet, welche Positionen es überhaupt geben darf.

Mietspiegel und Mieterschutz in Baden-Württemberg

Stuttgart führt einen etablierten, qualifizierten Mietspiegel als Grundlage für Mieterhöhungen nach §558 BGB. Die Stadt gehört zu den baden-württembergischen Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt, in denen die Mietpreisbremse und die abgesenkte Kappungsgrenze gelten — den aktuellen Verordnungsstand prüfst du vor Neuvermietung. Konkrete Werte gehören in den Blick auf den jeweils aktuellen Mietspiegel.

Rauchmelder: die baden-württembergische LBO

Die Landesbauordnung Baden-Württemberg verlangt Rauchwarnmelder in Schlafräumen, Kinderzimmern und Rettungsweg-Fluren; die Nachrüstfrist für Bestandsbauten ist seit Ende 2014 abgelaufen. Die Betriebsbereitschaft obliegt in Baden-Württemberg dem Besitzer — also dem Mieter —, sofern der Eigentümer sie nicht übernommen hat. Beim Wechsel von der Kehrwoche zu einem Dienstleister lohnt der Abgleich: Wer das Treppenhaus reinigt, sieht die Melder im Flur regelmäßig — fällt beides weg, braucht es einen festen Wartungsturnus mit Dokumentation.

Häufige Fehler bei Stuttgarter Abrechnungen

Die Stuttgarter Stolperfallen sind hausgemacht: Kehrwoche, Hanglage und die Gewohnheit, Kostenarten aus dem Vorjahr ungeprüft zu übernehmen. Diese Punkte prüfst du vor jedem Versand:

  • Reinigungs- oder Winterdienstkosten umgelegt, obwohl laut Vertrag Kehrwoche gilt
  • Stützmauer- oder Treppensanierung als „Gartenpflege" in die Abrechnung gerutscht
  • Niederschlagswasser der Stadtentwässerung nach Verbrauch statt Fläche verteilt
  • AWS-Bescheid des falschen Jahres angesetzt statt des Abrechnungsjahres

Stuttgarter Abrechnungen mit Rentprime

In Rentprime hinterlegst du pro Objekt, welche Kostenarten es überhaupt gibt — bei Kehrwoche-Häusern bleiben Reinigung und Winterdienst einfach leer, statt versehentlich aus Vorjahren kopiert zu werden. AWS-, Entwässerungs- und Versorger-Belege liest die Beleg-KI automatisch ein, die Abrechnung verteilt nach den vertraglich richtigen Schlüsseln. Ab 15,90 € im Monat, 7 Tage testen.

Häufige Fragen

Darf ich Treppenhausreinigung abrechnen, wenn Kehrwoche vereinbart ist?

Nein. Übernehmen die Mieter die Reinigung per Kehrwoche selbst, entstehen keine umlagefähigen Kosten. Ein bezahlter Reinigungsdienst darf nur umgelegt werden, wenn der Mietvertrag das vorsieht.

Kann ich die Kehrwoche einseitig durch eine Reinigungsfirma ersetzen?

In laufenden Mietverhältnissen in der Regel nicht einseitig mit Kostenfolge — die Umstellung auf umlagefähige Reinigungskosten braucht regelmäßig eine vertragliche Grundlage oder die Zustimmung der Mieter.

Sind Stützmauern und Außentreppen in Hanglagen Betriebskosten?

Nur die laufende Pflege der Außenanlagen ist umlagefähig (§2 Nr. 10 BetrKV). Sanierung und Reparatur von Stützmauern oder Treppen sind Instandhaltung und bleiben beim Eigentümer.

Wie wird die Grundsteuer in Baden-Württemberg berechnet?

Nach einem eigenen Landesmodell auf Basis des Bodenwerts. Für die Umlage ändert sich nichts: Die Grundsteuer bleibt nach §2 Nr. 1 BetrKV umlagefähig und wird ohne andere Vereinbarung nach Wohnfläche verteilt.

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