Fernwärme richtig abrechnen — vom Versorgervertrag zur HKVO-Verteilung.
Bei Fernwärme kaufst du fertige Wärme statt Brennstoff. Was du vom Versorger umlegen darfst, wie Grund- und Arbeitspreis in die Abrechnung fließen und was §7 Abs. 4 HKVO regelt.
Wie Fernwärme abgerechnet wird
Beim Fernwärmeanschluss liefert ein Versorger fertige Wärme über eine Übergabestation ins Haus. Seine Rechnung besteht typischerweise aus drei Blöcken: dem Grundpreis (bemessen nach der bestellten Anschlussleistung in Kilowatt), dem Arbeitspreis (je tatsächlich bezogener Kilowattstunde) und meist einem Mess- oder Verrechnungspreis für Zähler und Abrechnung. Anders als bei Gas oder Öl kaufst du keinen Brennstoff, sondern das Endprodukt Wärme.
§7 Abs. 4 HKVO: das Entgelt ist voll ansetzbar
Für die eigenständig gewerbliche Wärmelieferung stellt §7 Abs. 4 HKVO klar: Zu den umlagefähigen Kosten gehört das gesamte Entgelt für die Wärmelieferung — also Grundpreis, Arbeitspreis und Messpreis — sowie die Kosten des Betriebs der zugehörigen Hausanlagen. Dazu zählen etwa der Betriebsstrom der Übergabestation und der Umwälzpumpen sowie deren Wartung. Nicht umlagefähig bleiben Reparaturen an der Hausanlage — das ist Instandhaltung.
Grundpreis nicht separat verteilen
Ein verbreiteter Fehler: Der Grundpreis wird als „Festkostenblock" komplett nach Wohnfläche verteilt und nur der Arbeitspreis nach Verbrauch. Das entspricht nicht der HKVO. Richtig ist: Grund-, Arbeits- und Messpreis bilden zusammen die Gesamtkosten, und diese Summe wird zu 50 bis 70 Prozent nach dem erfassten Verbrauch und im Übrigen nach Wohnfläche verteilt (§7 Abs. 1 HKVO). Der Festkostencharakter des Grundpreises ist über den Flächenanteil der Verteilung bereits eingepreist.
Verbrauchserfassung im Haus bleibt Pflicht
Der Wärmezähler des Versorgers an der Übergabestation misst nur den Hausverbrauch. Für die Verteilung auf die Wohnungen brauchst du zusätzlich die Erfassung je Einheit — Wärmemengenzähler oder Heizkostenverteiler nach §5 HKVO, ab Ende 2026 durchgängig fernablesbar. Fernwärme befreit also nicht von der Messtechnik im Haus, sie ersetzt nur den Kessel im Keller.
Warmwasser bei Fernwärme trennen
Erzeugt die Übergabestation auch das Warmwasser, gilt §9 HKVO wie bei jeder verbundenen Anlage: Der Wärmeanteil der Warmwasserbereitung wird per Wärmemengenzähler gemessen oder ersatzweise nach Formel ermittelt, und die Kosten werden getrennt nach den Regeln für Heizung (§7) und Warmwasser (§8) verteilt. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber zur Warmwasserkosten-Berechnung.
Anschlussleistung prüfen: der stille Kostentreiber
Der Grundpreis bemisst sich nach der vertraglich bestellten Anschlussleistung — und die ist in vielen Bestandsgebäuden historisch überdimensioniert: Nach Dämmung, Fenstertausch oder schlicht vorsichtiger Erstauslegung braucht das Haus weniger Leistung, als der Vertrag vorhält. Da du den Grundpreis vollständig umlegst, zahlen deine Mieter die Überdimensionierung Jahr für Jahr mit.
Es lohnt sich deshalb, den tatsächlichen Spitzenbedarf — ablesbar aus den Verbrauchsdaten der Übergabestation — mit der bestellten Leistung zu vergleichen und beim Versorger eine Anpassung der Anschlussleistung zu beantragen. Viele Fernwärmeverträge sehen dafür feste Verfahren vor. Eine gesenkte Anschlussleistung reduziert die umlagefähigen Kosten dauerhaft und gehört zu den wenigen Stellschrauben, die du bei Fernwärme überhaupt hast — einen Anbieterwechsel wie bei Gas gibt es im Wärmenetz nicht.
Preisanpassungen und Belege
Fernwärmeverträge enthalten Preisgleitklauseln — die Preise ändern sich oft mehrmals im Jahr. Für die Abrechnung heißt das: Sammle alle Rechnungen und Preisanpassungsschreiben des Abrechnungsjahres, denn maßgeblich sind die tatsächlich in Rechnung gestellten Kosten der Periode. Bei der Belegeinsicht (§259 BGB) wollen Mieter erfahrungsgemäß genau diese Preisstaffeln sehen. Prüfe Anpassungen auch selbst — fehlerhafte Preisgleitklauseln von Versorgern waren in den letzten Jahren wiederholt Streitthema.
CO₂-Kosten auch bei Fernwärme
Das CO₂-Kostenaufteilungsgesetz gilt auch für Wärmelieferung: Der Versorger weist die CO₂-Kosten und die Emissionsdaten der gelieferten Wärme auf der Rechnung aus, und du teilst den Betrag nach dem Stufenmodell zwischen dir und den Mietern auf. Die Einstufung richtet sich nach dem CO₂-Ausstoß des Gebäudes pro Quadratmeter — die nötigen Angaben liefert dir die Fernwärmeabrechnung.
Fernwärme-Rechnungen automatisch verarbeiten
In Rentprime lädst du die Fernwärmerechnungen einfach hoch — die Beleg-KI erkennt Beträge und Zeiträume, auch bei mehreren Preisperioden im Jahr. Die Heizkostenabrechnung verteilt dann nach §7 HKVO, trennt das Warmwasser und rechnet das CO₂-Stufenmodell — jeder Schritt nachvollziehbar ausgewiesen. Ab 15,90 € im Monat für bis zu 5 Einheiten.
Häufige Fragen
Darf ich den Fernwärme-Grundpreis auf die Mieter umlegen?
Ja. Nach §7 Abs. 4 HKVO ist das gesamte Entgelt der Wärmelieferung umlagefähig — Grundpreis, Arbeitspreis und Messpreis. Verteilt wird die Gesamtsumme nach dem 50/70-Schema, nicht der Grundpreis separat nach Fläche.
Brauche ich bei Fernwärme eigene Zähler in den Wohnungen?
Ja. Der Versorgerzähler misst nur den Hausverbrauch. Für die Verteilung auf die Wohnungen sind Wärmemengenzähler oder Heizkostenverteiler nach §5 HKVO Pflicht — ab Ende 2026 fernablesbar.
Was gehört bei Fernwärme noch zu den umlagefähigen Kosten?
Neben dem Lieferentgelt die Betriebskosten der Hausanlagen, etwa Betriebsstrom und Wartung der Übergabestation und Umwälzpumpen. Reparaturen sind Instandhaltung und nicht umlagefähig.
Gilt das CO₂-Stufenmodell bei Fernwärme?
Ja. Der Versorger weist die CO₂-Kosten der gelieferten Wärme aus, und du teilst sie nach dem Stufenmodell des CO₂KostAufG zwischen dir und den Mietern auf.